Translate

Donnerstag, 10. Mai 2018

Baltikum - Kryziu kalnas (LT) / Rundales (LV) / Kaunas (LT) / Vilnius (LT)


Wow und schon schreibe ich am letzten Post fuer die Baltikum-Reise! Heute sind wir in Vilnius eingetroffen und morgen treten wir die Heimreise an.

Aber der Reihe nach!

Von Nidden aus ging es zurueck Richtung Memel, bei Juodkrante gibt es aber noch eine Besonderheit, welche uns als Naturenthusiasten aber besonders interessierte: die Reiherberge! Entgegen mancher Assoziationen handelt es sich hier nicht um die Resultate viel zu langer Naechte, sondern um die groesste Graureiher- und Komorankolonie Europas (hey mal wieder ein Rekord!).

Es ist schon Vorsicht geboten bei der Parkplatzsuche, da Komoranexkremente extrem saeurehaltig sind hat man bleibende Andenken im Lack falls man sich unter einen Baum parkt. In der Tat ist das (der Kot) auch der Grund weshalb im groesseren Umkreis so ziemlich jeder Baum abgestorben ist. Da der Wind recht guenstig stand haben wir von dem anscheinend bestialischen Gestank nicht besonders viel mitbekommen. Aber es ist toll zu sehen wie die Komorane hoch oben in den Baumwipfel nisten und ein wilders Gackern geht durch den Wald. Richtig cool.
Da die Komorane recht raeuberisch veranlagt sind und den Graureihern die Nester stehlen wird die Reiherpopulation immer geringer waehrend die der Komorane regelrecht explodiert.
Boese stimmen behaupten auch, dass Fischer mit Gewehren durch den Wald gehen und in die Luft schiessen um die Komorane zu verscheuchen und deren Population zu dezimieren...da die Eier auskuehlen und die Kueken verenden...denn Komorane fangen den ganzen Fisch weg...und sind wahrscheinlich auch fuer die Ueberfischung der  Meere verantwortlich. Tsss.

Der Brueller schlechthin war, als sich zu uns eine Gruppe Amerikaner gesellte und eine kleiner untersetzte Frau mit der Kamera im Anschlag tatsaechlich laut fragte: Are these eagles??? Sind das Adler???

Komoran-Kolonie in abgestorbenen Baeumen

Weiter geht es und wir bewegen und dieses mal wie nordwestlich. Naechstes Ziel ist Kryziu Kalnas - der Berg der Kreuze. 
"Er symbolisiert die Seele Litauens, in der Glaube, Froemmigkeit und der Wille nach Unabhaengigkeittief und fest verankert sind. Nach den von den Russen niedergeschlagenen Aufstaenden 1831 und 1863 stellte die Menschen auf dem flachen Huegel Kreuze fuer die getoeteten Litauer auf." (Zitat: ADAC Tourset EUN300).
Obwohl die Besatzungsmaechte die Gedenktstaette immer wieder zerstoerten wurde sie genauso immer wieder aufgebaut.
Es ist der pure Wahnsinn wieviele Kreuze sich hier befinden, ein Zahl auf einem Schild spricht von 200.000 Kreuzen, aber es muessen viel viel mehr sein, da Glaeubige immer noch jeden Tag neue Kreuze ablegen bzw. aufstellen. Selbst der Papst war schon hier. Auf jedenfall ein Muss bei einem Litauen-Besuch.

Berg der Kreuze, Ausschnitt

Berg der Kreuze, Impression

Berg der Kreuze, einbettet in wunderschoener Landschaft

Das Schloss Rundales liegt an der Suedgrenze Lettlands, fuer uns heisst das nochmal ein Stueck weiter noerdlich zu fahren und die Grenze zu passieren. Der kleine Umweg lohnte sich. Uns erwartet eine riesige Schlossanlage in super Zustand und ohne Bus-Touristen.

Schloss Rundales

Schlossgarten

Blumenpracht im Schlossgarten

Prunk in den Gemaechern

Wie nahezu jedes Schloss, hat auch dieses eine wechselvolle Geschichte. Urspruenglich gebaut als Sommerresidenz fuer den Herzog von Kurland Ernst Johann wurde es unter spaeterer russischer Herrschaft stark vernachlaessigt. Als Schule, Invalidenheim, Buerogebaeude. Mitte der 70er Jahre entschloss man sich zur Restauration, welche auch groesstenteils 2014 abgeschlossen wurde.
Man denkt, man ist in einem Mini-Versailles gelandet (so fuehle ich mich zumindest). Innen wie Aussen sehr beeindruckend.
Und auch hier kommt mir die Heimat wieder unter: ein Tisch stammt aus Dresden und es gibt auch Meissener Porzellan!

Kopie einer Dresdener Tischkonsole (18. Jahrhundert)

Nun stehen wir vor der Frage ob wir in der Naehe campieren oder ob wir noch nach Kaunas fahren (gut 3 Stunden), es ist halb sechs, die Sonne lacht, also entscheiden wir uns pro Kaunas.
Die Fahrt ist nur halb so schoen wie man das gern haette: starker Wind, ziemlich lange Geraden und einigermassen Gegenverkehr.
Recht spaet erreichen wir die Stadt und entscheiden nichts mehr zu tun ausser einem kleinen Abendspaziergang der Memel (Nemunas) entlang.

Am naechsten geht uns fast ein echtes Highlight durch die Lappen: total versteckt finden wir trotzdem das "KGB Atomis Bunkeris Museum". Leider ist die Tuer verschlossen. Unter der angeschlagenen Nummer geht niemand ans Telefon. Aber wie es der Zufall will kommt auf einmal ein kleines Kraftpaket ueber den Hof und starrt uns an. "Museum" - "Da, Museum" - "Moment". Der Kollege spricht nur litauisch bzw. russisch (was ich erst spaeter mitbekomme). Er ruft seinen Kollegen an und der uebersetzt in Englisch: leider ist das Museum nur auf Nachfrage geoeffnet und fuer Gruppen. Der Mann hat aber Mitleid mit uns und macht es fuer uns exklusiv auf - YES!

Und wer ein bisschen Interesse fuer die Zeit des Kalten Krieges hat (oder nicht) dem sei dieses Museum empfohlen! Nachdem man das Haus betreten hat geht man 7 Meter in die Tiefe, denn da wurde der Schutzraum errichtet, natuerlich mit mehreren Zugaengen. Die Sammlung ist hochinteressant, alle moegliche Technik der damaligen Zeit wurde zusammengetragen und ist oft auch noch funktional und zum ausprobieren. Von Telekommunikation, Wanzen, geheimen Kameras und Verstecken wird alles gezeigt. Der Bunker an sich ist fuer 200 Menschen konzipiert, grosse Plakate zeigen wie man sich im Nuklearfall zu verhalten hat. Es gibt eine eigene Zahnarztstation (mit manuell angetriebenen Bohrer!!!), ein Fotolabor, Abhoerraeume etc.
Leider konnten wir uns nur mit ein paar Brocken Russisch verstaendigen, so sind sicherlich viele interessante Stories auf der Strecke geblieben.

Kommunikationsraum

Von vorn ein Geschenk an die USA (Wappen)...

...mittendrin eine Wanze um den Botschafter abzuhoeren.

Gruselig war die Sammlung von Gasmasken. Ich wusste nicht, dass es Kindergasmasken (das kann ich mir zumindest noch vorstellen) und auch Pferdemasken gibt!

Gasmasken-Sammlung (Pferd siehe rechts)

Eine wirklich bedrueckende Zeit und hoffentlich werden wir nie wieder in solche Zeiten gelangen!

Von Kaunas aus ist es gut ein Stunde fahrt entlang der Neris bis zum Wasserschloss Trakai. Da ich Schloesser nun schon etwas muede bin verbringe ich die Zeit im Restaurant waehrend Claudia Sightseeing betreibt.

Wasserschloss Trakai

Nochmal eine halbe Stunde weiter sind wir in Litauens Hauptstadt angelangt: Vilnius. Besonders wurde uns die Altstadt empfohlen. Genau da verbringen wir auch unseren Nachmittag. Wir schlendern durch die Stadt und schauen uns Bauwerke, Gassen und Stadtleben an.
Die Stanislaus Kathedrale wirkt auf den ersten Blick nicht so. Durch die Saeulen hat er etwas tempelartiges. Der Glockenturm steht frei und kann bestiegen werden.

Stanislaus Kathedrale mit freistehendem Glockenturm

Namensgebender Fluss und entspannte Stimmung

Von drei Seiten ist das Stadtteil Uzupis von der Vilnius eingekreist. Uzupis ist das Kristiania von Vilnius. Die "Republik der Kuenstler" hat eine eigene Hymne, Praesidenten und auch Verfassung. Der erste Artikel besagt "Jeder hat das recht, am Fluss Vilnia zu leben, und die Vilnia hat das Recht, an jedem vorbei zu fliessen.";
Hier wird es nicht mehr so genau genommen mit der Reinlichkeit, Haeuser sind verschroben, Instrumente stehen am Flussufer...

Uzupis' Verfassung

Ansonsten ist Vilnius durch seine zahlreichen Gotteshaeuser aufgefallen, eines praechtiger als das andere.

Gotisches Ensemble

Vilnius von oben

Aber wir merken auch, dass wir nun etwas stadtmuede sind bzw wir schieben es darauf: Obwohl aehnlich wie in Riga eine entspannte Stimmung fehlt uns der gewissen "wow"-Effekt.

So nun heisst es noch eine Nacht und dann geht es knapp 1300 Kilometer nach Hause. Vorher besichtigen wir noch die geographische Mitte Europas, die liegt etwas noerdlich von Vilnius.

Herzlichen Dank fuers Mitlesen und ich hoffe ich konnte an der einen oder anderen Stelle etwas Lust und Interesse am Baltikum wecken - wir werden sicherlich wiederkommen, dann im Camper und mit mehr Zeit fuer die Nationalparks!

Bis bald und gute Reise!

Keine Kommentare:

Kommentar posten